Vom Schrottplatz ins Studio 
Plattenvertrag für hallesche Rockband Novocaine - «Sensationswert» auf der Bühne
von Lena Brochhagen, 11.08.06, 20:34h, aktualisiert 11.08.06, 21:06h

 
Band «Novocaine»
«Novocaine» spielen melodischen Rock. Die Band scheut aber nicht vor härteren Metal-Klängen und Sprechgesang zurück - oder davor, auf einem Autowrack zu posieren (v.l.n.r.): Alexander Stoll singt und spielt wie Felix Morawietz Gitarre, René Müller spielt Bass und Jan Schönfeld Schlagzeug.
(MZ-Foto: Günter Bauer) Quelle MZ

Halle/MZ. Die Geschichte der halleschen Band "Novocaine" beginnt auf einem Schrottplatz und endet vielleicht auf einer Festival-Bühne. Ein Kapitel spielt bei McDonald's. Ein Sturz von der Bühne kommt darin vor, ein Wutausbruch und BHs an einer Dartscheibe.

Die hängt im schmalen Proberaum, zu dem nur gelangt, wer über einen Bagger klettert. Auf einem Schrottplatz hat die Band einen Proberaum gefunden. Dort hat sie sich vor zwei Jahren gegründet und eine Platte aufgenommen. Deren Lieder klingen auch mal nach hartem und lautem Metal, auch wenn die Band ihre Musik als melodischen "NuRock" einordnet. Vom Hip Hop hat sich Sänger Alexander Stoll die Idee für eine Sprechgesang-Passage geliehen, und eine Klavierstrecke überrascht mit einer Prise Jazz. "Die Mischung macht es spannend", meint Schlagzeuger Jan Schönfeld, mit 23 der Älteste bei Novocaine - "und der vernünftige Band-Papa", sagt Sänger Alex.

Und erzählt von einem Auftritt mit viel Lampenfieber-Bier intus, dem Bassist René Müller einen Sturz von der Bühne verdankt. Eine Episode, wie sie TV-Autoren für Rock-Märchen schreiben könnten. Doch für Novocaine war dieser Sturz von der Bühne ein Ausrutscher, der sich nach einer Ansprache des Bandvaters nicht wiederholen dürfte. "Wir nehmen unsere Musik ernst", sagt Alex. "Wir sind korrekt, was die Ausführung unserer Arbeit angeht", fügt Jan hinzu.

Das mag beamtisch klingen. Doch die vier, die alle Zivis sind oder studieren, sind keineswegs humorlos. Denn besagte BHs an ihrer Dartscheibe stammen nicht von enthusiastischen weiblichen Fans - noch nicht -, sondern aus Ramschläden. Auch auf der Bühne wollen Novocaine, benannt nach einem Betäubungsmittel, nicht langweilen. "Wir stehen nicht nur da und zupfen an den Instrumenten rum", sagt René. Stattdessen reißt sich Alex auch mal das T-Shirt vom Körper. "Auf der Bühne haben wir guten Sensationswert", meint der Sänger. Vielleicht hat auch deshalb die Band vor zwei Wochen ihren ersten CD-Vertrag bei "Nevermore Records" unterschrieben - wegen des vollen Kalenders des Produzenten in jenem McDonald's. Im Dezember nimmt die Band das Album im Studio auf, im Frühjahr wirbt sie dafür auf einer Tour.

Der Traum von der Platte hat sich erfüllt. Doch die Musiker träumen weiter: etwa von großen Festivalbühnen. Oder davon, reich und berühmt zu werden, scherzt Gitarrist Felix Morawietz: "Wäre doch nicht schlecht."

Novocaine spielen am 27. August auf dem Laternenfest.


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